Das Ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen

 

Wir alle kennen diese Momente. Jemand sagt etwas, das uns verletzt. Ein Mensch verhält sich unfair. Etwas läuft völlig anders, als wir es erwartet haben, und plötzlich ist er da: dieser Ärger, der sich in uns festsetzt und manchmal noch Stunden oder sogar Tage später unsere Gedanken beschäftigt.

Dabei ist Ärger zunächst einmal nichts Schlechtes. Er ist ein Gefühl und Gefühle haben ihre Berechtigung. Ärger kann uns zeigen, dass eine Grenze überschritten wurde, dass etwas für uns nicht stimmt oder dass wir uns mehr Respekt und Wertschätzung wünschen. Problematisch wird es erst dann, wenn wir unseren Ärger festhalten und ihn immer wieder neu durchleben.

Denn genau hier beginnt das eigentlich Ärgerliche am Ärger: Wir schaden uns selbst, ohne dadurch irgendetwas an der Situation zu verändern.

Der Mensch, über den Du Dich ärgerst, sitzt vielleicht gerade gemütlich beim Frühstück, geht spazieren oder verbringt einen wunderschönen Tag mit seiner Familie. Und Du führst währenddessen in Deinem Kopf zum zwanzigsten Mal dasselbe Gespräch mit ihm. Du erklärst ihm, warum er Unrecht hat, was er hätte anders machen müssen und was Du ihm beim nächsten Mal sagen wirst.

Nur bekommt er davon überhaupt nichts mit.

Der einzige Mensch, der diesen Ärger in diesem Moment erlebt, bist Du.

Das ist eine Erkenntnis, die zunächst unangenehm sein kann, gleichzeitig aber unglaublich befreiend ist. Denn wenn Du erkennst, dass Du Deinen Ärger selbst weiterträgst, erkennst Du auch, dass Du ihn irgendwann loslassen kannst.

Loslassen bedeutet dabei nicht, dass Du gutheißen musst, was passiert ist. Es bedeutet auch nicht, dass Du Dich von anderen Menschen schlecht behandeln lassen solltest. Du darfst Grenzen setzen. Du darfst Nein sagen. Du darfst Konsequenzen ziehen und Menschen sogar aus Deinem Leben verabschieden, wenn sie Dir dauerhaft nicht guttun.

Aber Du musst sie deshalb nicht weiterhin in Deinen Gedanken wohnen lassen.

Aus spiritueller Sicht steckt darin eine wichtige Frage: Wem gibst Du die Macht über Deinen inneren Frieden?

Wenn ein anderer Mensch durch ein einziges Wort oder eine Handlung bestimmen kann, wie Du Dich noch drei Tage später fühlst, dann hast Du ihm etwas sehr Wertvolles überlassen. Deine Aufmerksamkeit. Deine Energie. Deinen inneren Frieden.

Vielleicht besteht wahre innere Stärke deshalb gar nicht darin, niemals wütend zu werden. Vielleicht besteht sie vielmehr darin, bewusst entscheiden zu können, wie lange wir unseren Ärger mit uns herumtragen möchten.

Du kannst Dir sagen: „Ja, das hat mich verletzt. Ja, das fand ich unfair. Aber ich entscheide mich trotzdem für meinen Frieden.“

Nicht für den anderen.

Für Dich.

Denn Vergebung und Loslassen sind keine Geschenke, die wir anderen Menschen machen. Sie sind Geschenke an uns selbst. Wir lösen damit die unsichtbare Verbindung zu einer Situation, die längst vorbei ist, aber in unseren Gedanken immer noch weiterlebt.

Das Leben wird Dir immer wieder Menschen schicken, die anders denken, anders handeln und andere Werte haben als Du. Du wirst Ungerechtigkeit erleben, enttäuscht werden und Dich manchmal gehörig über jemanden ärgern.

Du kannst nicht alles kontrollieren, was Dir begegnet.

Aber Du kannst immer bewusster entscheiden, was davon Du in Deinem Herzen weitertragen möchtest.

Und manchmal ist der größte Sieg nicht, Recht zu bekommen.

Sondern wieder Frieden mit Dir selbst zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß, Freude und Erfolg beim umsetzen 💖 😊

Hanno Jung


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